31/05/2009 10:25 Publié dans Sonntagszeitung Kolumne | Lien permanent | Commentaires (4)

Cher Claude Béglé

poste_2.jpgLieber Claude Béglé,

Ich staune, und bin wohl nicht der Einzige. Noch selten hat ein Patron einen derart rasanten Start hingelegt. Sich so schnell zur Kühlerfigur einer riesigen Kiste gemacht. Post-Generaldirektor Ulrich Gygi ? Schon vergessen. Anton Menth, Ihr Vorgänger ? Niemand kennt ihn. Aber Sie, der grossgewachsene Welsche mit der wilden Locke und dem breiten Kiefer (signalisiert starken Willen), sind seit Ihrem Amtsantritt als Post-Präsident «der» neue Liebling der Medien. « Die » grosse Hoffnung der Pöstler. Und darum auch höchst gefährdet. Leute wie Sie braucht das Land. Aber wer einen Laden derart schnell verkörpert und damit alle Vorgänger und sogar den neuen Generaldirektor Michel Kunz vergessen lässt, wer so clever, offen und ohne Zögern kommuniziert, immer alle Türen offen lässt, so viel in der Welt herumgekommen ist und obendrein nicht zum schützenden Berner Sozi-Netzwerk gehört, der zieht Missgunst an. Der wird bei uns z’Bärn beim ersten Fehler ganz brutal runtergeholt. Aber das Schöne ist ja, dass Sie das überhaupt nicht beeindruckt. Sie gehen auf Gegner mit offenem Gesicht und freundlichen Gesten zu, einzig vom Ziel beseelt, dem defizitären Poststellennetz eine Zukunft zu sichern. Ihre Hoffnung, zu diesem Zweck irgendwann doch noch eine Banklizenz für Postfinance zu kriegen, macht Sie zur Gefahr für eine schwer leidende Branche. Endliche eine echte, vertrauenswürdige Volks-Bank, das wäre ja die Revolution! Darum haben Sie viel mehr Feinde, als Sie denken. Ich halte Ihnen darum beide Daumen.

Herzlich

Peter Rothenbühler

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Als Claude Béglé zum Verwaltungsratspräsidenten der Schweizerischen Post gewählt wurde, stellte ihn die «NZZ» als Vizepräsidenten der Deutschen Post vor. Daraus zogen viele den Schluss, Postminister Moritz Leuenberger sei mit der Verpflichtung von Claude Béglé ein grosser Wurf gelungen.

Bei näherem Hinsehen entpuppt sich der Titel als Schall und Rauch. Der Artikel vermittle fälschlicherweise den Eindruck, es gäbe bei der Deutschen Post einen «Vizepräsidenten», sagt ein früherer Kadermann in Deutschland. Dies sei jedoch nicht der Fall. «Es gibt eine dreistellige Zahl von Angehörigen des mittleren Managements, die auf ihren Visitenkarten den Titel «Senior Vice President» oder «Executive Vice President» mit sich herumtragen.» Ein Titel, der in angelsächsischen Unternehmen hundertfach vergeben wird.

Grosse Ankündigungen bei der französischen Post

Béglé selber tat offenbar nichts, um diesen falschen Eindruck zu korrigieren. Wer den 59-Jährigen kennt, beschreibt die Episode als typisch. Er arbeitete in drei anderen Postunternehmen, nämlich bei TNT (der holländischen Post), bei der französischen Post und dann bei der Deutschen Post. In Deutschland und Frankreich fiel der flamboyante Waadtländer («Bilanz») vor allem durch seine Auftritte und Worte auf als durch konkrete Taten.

Vertreter der französischen wie der deutschen Post bezeichnen ihn unabhängig voneinander als Hansdampf in allen Gassen. Er wirbele vor allem sehr viel Staub auf und sei hauptsächlich damit beschäftigt, sich selber in rechte Licht zu rücken. Ein früherer Manager des deutschen Postkonzerns bezeichnet die Anstellung Béglés im Jahre 2005 sogar als «den grössten Fehler in seiner Karriere.»

Grosse Ankündigungen bei der französischen Post

Bei der französischen Post, wo der Waadtländer ab 2004 tätig war, sind den Managern heute noch Machtkämpfe in Erinnerung, in die er verwickelt gewesen sein soll. Näheres dazu erfährt man jedoch von ihnen nicht. Gut in Erinnerung und dokumentiert sind dagegen seine grosspurigen Ankündigungen bei Geopost, der Tochterfirma der französischen Post, wo er eine hohe Position bekleidete.

Im März 2005 kündigt Béglé zum Beispiel an, die französische Post sei bereit bis zu 1 Milliarde Euro in die weltweite Expansion ihrer Pakettochter Geopost mit der Marke DPD zu investieren. Knappe fünf Monate später sickerte in der F«inancial Times Deutschland» durch, dass Béglé mit der Deutschen Post am Verhandeln war. Die düpierten Franzosen stellten den Waadtländer Knall auf Fall kalt.

Kurzes Gastspiel auch in Deutschland bei DHL

Doch auch das Gastspiel Béglés bei der Deutschen Post dauerte nicht lange. Am 4. Oktober 2005 wurde offiziell bekannt, das der Waadtländer Vorsitzender des Bereichsvorstands DHL Express Deutschland sowie Managing Director DHL Express Central Europe mit Verantwortung für die Märkte Schweiz, Österreich, Tschechische Republik, Polen, Ungarn, Slowenien und Slowakei wird. Er habe aber in der Folge kaum einen Kunden live gesehen, sagen seine früheren Chefs heute. Und weiter: Seine Stärken seien nicht unbedingt im operativen Bereich.

Ein Jahr später wurde Béglé nach einer Restrukturierung schon wieder auf ein Abstellgleis bugsiert, die Kaltstellung aber offenbar durch einen Beratervertrag kaschiert. In der deutschen Zeitschrift «Die Wirtschaft» vom Mai 2007 kann man nachlesen, dass Claude Béglé ab 19.03.2007 nicht mehr Geschäftsführer von DHL Express Germany GmbH ist. War Béglé also zur Zeit seiner Wahl in der Schweiz im Juni 2008 bereits seit mehr als einem Jahr ohne Linienfunktion?

Mit Beratern Obamas zum Lunch

Béglé selber bezeichnet sich als «starken Leader, der mit dem Kopf und Bauch arbeitet.» Für die französische Post will er 40 Firmen für 3 Milliarden Franken erworben haben. Er habe zu Fuss Spanien durchquert und sich dabei mit seinem «geistlichen Begleiter» auf lateinisch unterhalten.» Er habe Hindi, Portugisiesch, Arabisch und Polnisch gelernt.

Er spreche auch fliessend Französisch, Englisch und Spanisch. Er habe Lech Walesa gut gekannt, ebenso Bischof Desmond Tutu. Er kenne den gescheiterten deutschen Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier und sei von Berater Obamas nach Washington eingeladen worden. Das alles sagte er ohne einmal Luft zu holen in einem Interview gegenüber der «Sonntagszeitung».

Alles was über Béglés Leistungsausweis bekannt ist stammt von ihm

Ein kleiner Schönheitsfehler bleibt: Für den Leistungsausweis Béglés gibt es kaum Belege. Alles was über ihn bekannt ist, hat er selber erzählt. Bei der Schweizer Post hat er laut Insidern wie in Frankreich und Deutschland hauptsächlich Staub aufgewirbelt und zusätzliche Kosten verursacht - durch Beratermandate und das Aufblähen des Verwaltungsratssekreatariats.

Das Management der Post konnte – so wird in Bern erzählt – nur noch staunen und wundern über die Gemeinplätze und Banalitäten, die Béglé in unzähligen Interviews von sich gab. Bundesrat Moritz Leuenberger, der Béglé im Bundesrat fast euphorisch angepriesen hat, soll inzwischen ernüchtert sein.
(bazonline.ch/Newsnetz)

Erstellt: 15.12.2009, 17:37 Uhr

Écrit par : Hubert Mooser | 15/12/2009

J'ai trouvé la manière de faire très américaine et fort déplaisante d'envoyer un concurrent poliment correct dans les cactus. Mr. Béglé et dans le verbe très totalitaire voire despote. Alors l'avenir nous dira si sa manière d'agir épouse la mentalité du pays. Personnellement, je pense qu'il fera long feu.

Écrit par : regine | 15/12/2009

Die Staerke der CH ist ja gerade die,
dass man solche "Charismatiker" eben NICHT braucht ...

Écrit par : Alain Burky | 07/01/2010

Es ist doch vollkommener Unsinn anzunehmen man koenne rechtlich nichts machen gegen Stuttgart-21, nur weil der Paul Kirchhoff das im Fernseher gesagt hat. Wo ein Wille ist ist auch ein Weg. Unter der ueberschrift "Gutachten gegen Gutachten" stand gestern in der Stuttgarter Zeitung ein sehr interessanter Artikel. Der Rechtsprofessor Georg Hermes sieht die Rechtslage demnach ganz anders als Herr Paul Kirchhoff. Zitat Georg Hermes: "Es sei klar, dass das Eisenbahnrecht beim Bund liege, das Land trage aber erhebliche Kosten, damit sei es mit zustaendig." Professor Georg Hermes laesst auch nicht gelten, dass Vertraege ewig unkuendbar sein sollen. "Das verstoeßt gegen das Demokratieprinzip." Neue Parlamente haetten dann keine Moeglichkeiten, aus langfristigen Vertraegen herauszukommen, argumentierte Hermes. Auch den Einwand, gegen den Haushalt sei keine Volksabstimmung moeglich, laesst Hermes nicht gelten. "Dann waere eine Abstimmung ueber jedes Gesetz, das Geld kostet, ausgeschlossen.

Écrit par : Rürup Rente | 06/10/2010

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