09/01/2010 20:51 Publié dans Mailbox (ma chronique dans la SonntagsZeitung) | Lien permanent | Commentaires (1)

Lieber Claude Béglé

Parait le 10 janvier dans Sonntagszeitung:

 

Lieber Claude Béglé,

Ich muss immer an Rübezahl denken, wenn ich Artikel über Sie lese, den König der Gnome, der mit seinem Riesenprügel das scheue Wild vor sich her hetzt und ins tiefe Tal stürzen lässt. Sie hätten wohl nie gedacht, dass man in der Schweiz so schnell zum Bölimann wird, ohne das geringste verbrochen zu haben, resp. nur das, was jeder andere auch getan hätte : ankündigen, dass die Post Ihren Pflichten im Inland künftig nur nachkommen kann, wenn sie sich neue Geldquellen erschliesst, zum Beispiel im Finanzbereich (am besten mit Banklizenz) oder im Ausland. Das ist so folgerichtig wie trinken bei Durst. Weil Sie jetzt auch ein bisschen für die nötige Zugluft sorgen, ein paar Bremser über Bord werfen, wird in Bern schon über Ihr Schicksal gerätselt. Und Sie ? Lächeln fröhlich vor sich hin. Was natürlich gar nicht zu einem Laden passt, der lange von einem Mann mit « Zwanzgabachti »-Miene repräsentiert wurde. Mich alarmiert am meisten diese Furcht der Politiker vor einem möglichen  « Ausland-Abenteuern ». Da fräsen ausländische Postdienste wild durch unser Land. Und wir, die kleinen Schweizer, sollen  zu blöd sein, um unsere Post zu einem globalen Unternehmen zu machen. Ihre grösste Sünde soll ja sein, dass Sie die künftige Post mit Nestlé verglichen haben. Also mit einem extrem erfolgreichen, international tätigen Schweizer Unternehmen. Geplantes Scheitern ist offenbar populärer bei uns.  Dieser tragische Minderwertigkeitskomplex der Schweizer ist das Problem. Und nicht Ihre Visionen.  Aber wem sag ich das ?

Herzlich

Peter Rothenbühler

Commentaires

Werter Herr Rothenbühler,

Bravo für Ihre mutigen und so treffenden Worte - das tut gut, dass jemand mal seine Stimme für Claude Béglé und seine neue VR-Mannschaft erhebt! Diese orchestrierte, teilweise faktenlose Hetzkampagne ist ja nicht mehr zum Aushalten!

Aus eigener drei-jähriger Tätigkeit 2006-2009 bei der Post (nach vergleichbaren Einsätzen bei UBS, Holcim und Givaudan) kann ich Ihnen leider nur bestätigen: Alles, was bei der Post an Kadern nicht früher "Bahnpost" gefahren ist und mindestens 10 Jahre zur Führungscrew gehört, wird als unqualifiziert angesehen und früher oder später - eher verdeckt und sanft - aus dem Verkehr gezogen.

Da spielt im Hintergrund leider auch das Berner Vitamin-B-Filz-Paket zudem eine imens zentrale Rolle. Claude Béglé hat dieses in diesem Umfeld überlebenswichtige Berner Beziehungsnetzwerk leider nicht!

Standard-Aussagen des oberen Managements wie "Das haben wir immer schon so gemacht" bzw. "was fällt dem Béglé eigentlich ein, die bisherige Strategie so ohne mit uns unabgestimmt zu hinterfragen" waren im letzten Jahr täglich im Hauptsitz der Post anzutreffen.

In vielen Berner Ewig-Gestrigen-Köpfen ist dies im Unterbewusstsein sogar so stark verwurzelt, dass für diese Leute Claude Béglé schlichtweg die "Gefahr" verkörpert und immer das Schwarze Schaf sein wird, der sich anmasst an den Festen der Post-Schönburg zu rütteln. Nur gibt es hier doch kein Schwarzes Schaf - hier prallen einfach zwei Welten der unterschiedlichen Überzeugungen und Kulturen aufeinander. Ich hoffe bloss, man gibt dem neu zusammengesetzten, international erfahrenen VR und seinem Präsidenten mindestens über die nächsten 3 Jahre eine faire Chance um zu zeigen, was er leisten kann, um im knallharten zukünftigen (inter-)nationalen Wettbewerb ohne Monopole zu bestehen.

Bitte äussern Sie sich weiterhin so mutig und dezidiert.

Herzlichen Dank dafür,

Marc Krummacher

Écrit par : Marc Krummacher | 10/01/2010

Les commentaires sont fermés.