22/07/2010 11:26 Publié dans Mailbox (ma chronique dans la SonntagsZeitung) | Lien permanent | Commentaires (0)

Lieber Sepp Blatter

Lieber Sepp Blatter

Wenn ich an Sie denke, sag ich mir, dass wir schon ein seltsames Völklein sind. Da organisiert und präsidiert ein Schweizer das gigantischste Sportereignis des Jahres, das uns zu emotionellen Höhepunkten gebracht hat. Er bringt die Fussball-WM in Südafrika trotz negativen Prophezeiungen (Chaos, Gewalt und Desorganisation) reibungslos über die Bühne. Und was erntet er nach dem Abpfiff, hier bei uns: Lob und Dank, ja, schon, aber mit angezogener Handbremse.

Ich will jetzt nicht in Stellvertretung für alle anderen in Lobeshymnen ausbrechen. Nur einfach feststellen, dass ich es bei aller Liebe zur Kritik, gerade an Mächtigen, langsam frustrierend finde, wie die Erfolge unserer weltberühmten Cracks fast aus Prinzip eher tief gehängt werden. Diese (protestantische?) Zurück- haltung fällt nicht nur in Ihrem Fall auf: Nehmen Sie den ersten erfolgreichen Nachtflug des Flugzeugs Solar Impulse von Bertrand Piccard und André Boschberg. Das wurde weltweit auf den Titelseiten der grossen Zeitungen als Sensation gefeiert. Bei uns war die Reaktion eher unterkühlt. Besserwisser monierten sogar, Solar Impulse bringe keine neuen Erkenntnisse. Das gleiche ungute Gefühl hatte ich nach dem Tod von Nicolas G. Hayek. Die offiziellen Würdigungen wirkten wie Pflichtübungen. Ich sah ihn kaum auf Titelbildern. Was ist nur los mit uns? Halten wir so wenig von uns, dass wir selbst die Grössten nur klein sehen? Also für die WM haben Sie mein persönliches «Vergelts Gott!» mehr als verdient.

Mit freundlichen Grüssen

Peter Rothenbühler

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