07/09/2010 13:52 | Lien permanent | Commentaires (0)

Ciao Ciao, Grüezi Tschüss

Ciao Ciao, Grüezi Tschüss !

Das gute alte Ciao verliert an Terrain. Tschüss nimmt überhand. Und führt zu Missverständnissen, die der Aufklärung bedürfen : erstens ist Tschüss nicht, wie jetzt viele denken, einfach ein Import der vielen zugewanderten Deutschen, noch einer ! Nein, es kommt usprünglich aus dem romanischen Sprachraum, hat aber einfach, bevor es in die Schweiz kam, den Umweg über  Deutschland genommen.  Also, kurzfristig gesehen ist das Tschüss natürlich schon ein deutscher Import. Aber romanischer Herkunft. Etwa so wie der Porto, den uns die Engländer schmackhaft gemacht haben.   Im Welschland ist man indessen noch weit weg vom Tschüss. Hier sagt man immer noch Ciao.

Also, eins nach dem andern….

Tschüss kommt ursprünglich von Adieu, Adios oder Adeus, also aus dem Französischen, dem Spanischen oder dem Portugiesischen und es etablierte sich schon vor Jahrhunderten im deutschen Sprachraum, wo es sich als Tschüs in Norddeutschland, als tschüssing im Ostseeraum, als tsché im Rheinland, tüüs in Schleswig-Holstein und in Ostdeutschland als tschüssi eingebürgert hat.

Tschüss wird vorwiegend für die Verabschiedung verwendet, und zwar im Du- wie im Sie-Verkehr. Tschüs  sagt man eher beim Weggehen. Auch dem Chef.

Ciao ist ein anderes Paar Stiefel : wer seinem Chef Ciao sagt, gehört zum Kreis der Vertrauten, mit denen er per Du ist. Ciao hat dafür den Vorteil, dass es sowohl fürs Grüezisagen wie fürs Adieusagen geht. 

Lustig wird’s, wenn Zürcher ins Welschland kommen und ihr Tschüss – zur Anpassung – dann durch das orstübliche Ciao ersetzen, aber dieses falsch anwenden, will sagen, auch Ciao sagen, wenn sie eigentlich per Sie sind. Hab ich grad kürzlich erlebt. Als ein wichtiger Zürcher in Lausanne eine Betriebsbesichtigung vornahm und allen Mitarbeitern der Firma beim Abschied die Hand drückte und Ciao sagte, hat er gleich enorm Punkte gewonnen. Lässiger Kerl, sagten die Leute, hat uns alle geduzt ! Und dies im Welschland,  wo die Big Bosse ihre Untergebenen – wie in der Vieille France – mit dem Vornamen anreden, aber beim Sie bleiben, so wie früher die Herrschaften den Voiturier ansprachen : «Johann, Sie können vorfahren ».  

Da haben es die Engländer einfacher : You für alle, Vornamen für alle und Hey, Hello und Bye, bye für alle. Darum ist ja auch das Hallo auf dem Vormarsch, oder das Hoi.

Also, man könnte sich ja gut freundeidgenössisch auf einen Kompromiss einigen, Hallo beim Grüssen und Tschüss beim Abschied. Adieu sagt man ja heutzutage nur noch, wenn  man jemanden auf Nimmerwiedersehn verabschiedet wird.  Aber im Welschland auch zum Grüssen, jawohl !  Als ich mich bei meiner neuen Redaktion vorstellte, wusste ich, dass nicht nur eitel Freude herrschte, aber gerade so. Einige Mitarbeiter sagten mir gleich lächelnd « Adieu ». Nun, Adieu wird hier von vielen, eher konservativen  Menschen, wie Grüezi verwendet, weil es ja das gleiche heisst : Gott grüsse dich.

Soll man die Verdrängung des Ciao durch das Tschüss bedauern ? Warum eigentlich? Die Umgangssprache ist im ständigen Wandel begriffen.  Die Berner Matte-Giele sagten sich schon vor sechzig Jahren « Moin », obschon weit und breit kein Engländer  war.  Den knappsten Gruss pflegen übrigens die Berner Oberländer. Da wird nur die letzte Silbe von Grüessech ausgesprochen, also « -such » oder die letzte Silbe des Vornamens. Der Schwingerkönig Kilian Wenger heisst zu Hause «Kilu», gegrüsst wird er wahrscheinlich nur mit einem knalligen « -lu ». Das genügt.

Das Ciao ist bekanntlich wie die Pizza und die Spaghettis mit den Italienern, Spaniern und Portugiesen eingewandert und hat sich als « Tschau » in der deutschen und als « Tchô » in der westlichen Schweiz assimiliert.  Und genau so ist’s mit dem Tschüss, es ist definitiv romanischer Herkunft. Sarum könnte es sich ja auch zum Adieu zurückverwandeln…Warum nicht ?  Sicher ist  der deutsche Gruss « Grüssgott » ganz weg vom Fenster ! Dafür lernen jetzt die Chinesen und Inder Grüezi zu sagen. Das ist auch etwas. Tschüss !

 

Peter Rothenbühler

 (Article paru dans Aargauer Zeitung sous "Tribune libre", septembre 2010)

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