10/01/2011 10:49 Publié dans Sonntagszeitung Kolumne | Lien permanent | Commentaires (0)

Lieber Roger de Weck

Lieber Roger de Weck

 

Schade, dass in Ihren sieben Leitlinien für die SRG der wichtigste Punkt fehlt: Die Freiheit der SRG, ihr Programm zu gestalten, ohne sich von den Politikern dreinreden zu lassen. Sie erklären zwar trotzig: «Werbung darf das Angebot nicht bestimmen.» 


Ich frage Sie: Wann haben je VW oder Nestlé das Programm diktiert? Mutiger - aber gefährlicher für Sie - wäre der Satz gewesen: «Parteipräsidenten dürfen das Angebot nicht bestimmen.» Nicht mehr befehlen, wer an der «Arena» teilnehmen darf oder wer diese moderieren soll. Keine Zeitung lässt sich von ihren Inserenten so drangsalieren, wie es Politiker gegenüber der SRG in den letzten Jahren getan haben. Geradezu peinlich, wie dieser Tage wieder Politiker wissen wollten, wie sich die SRG gegenüber einer Kandidatin fürs Radio verhalten soll, die ein Kopftuch trägt.

Keiner hat gesagt: Das ist allein Sache der SRG. Geradezu lustig finde ich, wie Sie - zur Besänftigung aller Politiker - in Ihren Leitlinien betonen, dass bei der SRG (laut Verfassungsauftrag) die Debatten «zu versachlichen» seien. Da müssen Sie aber das Bild abschalten, mein Lieber! Erst das Fernsehen hat ja die Personifizierung, die «leibhaftige» Auseinandersetzung geschaffen, Menschen mit Emotionen in die gute Stube projiziert. Sie wissen so gut wie ich: «Unsachlich» findet ein Politiker eine Sendung immer nur dann, wenn er selbst nicht darin vorkommt. Übrigens: Wenns im Boulevard-Medium TV «zur Sache» geht, ist damit meistens Sex gemeint. Bis auf weiteres, jedenfalls.

Freundliche Grüsse

Peter Rothenbühler

 

Publiziert am 09.01.2011 in der Sonntasgszeitung

 

Les commentaires sont fermés.