19/12/2011 08:47 | Lien permanent | Commentaires (0)

Biel-Bienne

"Biel-Bienne putzt sich heraus"

Vier Fragen an Peter Rothenbühler, stellvertretender publizistischer Direktor von Edipresse.
 
Ihr grösster Erfolg in den vergangenen Monaten?
Ich durfte die Erneuerung der grössten Tageszeitung der Westschweiz, „Le Matin“, leiten. Wir haben mit Chefredaktorin Sandra Jean und dem Zeitungsdesigner Nata Rampazzo aus Paris das Layout rundum erneuert, das war ein interessanter kreativer Prozess. Der Erfolg war, dass die Leser in unsern Tests dem neuen „Matin“ durchwegs eine gute Note gegeben haben. Wir haben dieselbe Übung mit unserer TV-Zeitschrift „Télé TopMatin“ gemacht, die wir zu einem interessanten Fernsehmagazin umgebaut haben, das dem Zuschauer erlaubt, recht schnell aus dem riesigen Angebot ein ganz persönliches Programm zusammenzustellen. Auch diese Neuerung wurde vom Publikum mit Begeisterung quittiert.
 
Ihre grösste aktuelle Sorge?
Ich mache mir eigentlich grundsätzlich nie allzu grosse Sorgen. Eigentlich sollte meine Sorge die unsichere Zukunft der gedruckten Medien sein. Aber ich bin jetzt schon so lange im Geschäft, dass ich weiss, dass nur echte Krisen, wo sich viele Leute Sorgen machen, wirklich echte Fortschritte ermöglichen. Für einen Kreativen wie mich sind die Sorgen der andern eine Chance. Am schlimmsten waren immer jene Zeiten, wo alle satt und zufrieden waren, das Geschäft brummte und sich niemand echte Sorgen machte.
 
Was hat Sie an der Region in letzter Zeit gefreut?
Die Ausstellung von Yvan Kohler im Museum Neuhaus, die weltweit einzigartig ist: Ein Videoregisseur filmt über mehrere Jahre die Veränderung seiner Stadt. Ich staunte, als ich entdeckte, was in Biel-Bienne schon alles abgerissen und neugebaut wurde. Und nicht alles Neue ist hässlich: Biel-Bienne putzt sich heraus, das freut mich. Was mich ärgert ist, dass der Direktor dieses Museums überhaupt nichts unternimmt, um solche Ausstellungen über Biel-Bienne hinaus bekannt zu machen. Mit solchen Leuten wird Biel-Bienne kulturell nicht vorwärts machen.
 
Und wo sehen Sie Entwicklungspotenzial für die Region?
Biel-Bienne wird mit Sicherheit noch mehr zur Boom-Town, weil die Stadt eine Grösse hat, die andern fehlt: die Offenheit in jeder Beziehung, geografisch, gesellschaftlich, kulturell und wirtschaftlich. Die Zweisprachigkeit ist ja das Bekenntnis zur Anerkennung des andern mit allem, was er ist. Biel-Bienne hat den zugewanderten französischsprachigen Uhrenmachern garantiert, dass sie sich selbst bleiben dürfen. Das ist in einer Zeit, wo man so sehr auf totale Integration, also Anpassung aller Andersdenkenden und Anderslebenden pocht, ein interessantes Phänomen. Dass sich viele Muslime gerade in Biel-Bienne sehr wohl fühlen, wird von vielen als negativ empfunden. Ich bin überzeugt, dass dies dem Spirit of Biel zu verdanken ist, dieser Offenheit, die bewirkt, dass man in Biel-Bienne sofort dazugehört, integriert wird, als gleichberechtigter Bürger anerkannt wird und doch sich selbst bleiben darf. Das gilt für Schaffhauser wie für Italiener, Ukrainer oder Marokkaner. Biel-Bienne hat dieses Grossstädtische, das man sonst nur in London oder Paris erlebt, Biel-Bienne grenzt sich von der selbstbezogenen Provinzialität (y en a point comme nous) von Zürich oder Lausanne ab.
 
November 2011

 

Paru dans le magazine de la chambre du commerce et de l'industrie de Bienne-seeland 

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