24/01/2012

Liebe Karin Frei

P E T E R R OT H E N B Ü H L E R

Liebe Karin Frei

Ich sah Sie nur ein paar Mal den «Club» moderieren, aber das reicht mir. Ihrer Kollegin Mona Vetsch habe ich auch einmal zugeschaut. Sie ist ein Augenschmaus, aber selbst die fesche Mona bewahrt nicht vor dem Wegzappen, auch bei ihr: nur noch Depro-Stimmung. Ein minderheitliches Betroffenheitsthema pro Monat geht ja. Aber nach «Mama hört Stimmen, Papa trinkt» gleich am nächsten Dienstag «Wenn Menschen spurlos verschwinden» und das im kalten Januar – das kann doch nicht Ihr Ernst sein. Natürlich ist es leichter, ein Thema aus der Mottenkiste der Dargebotenen Hand zu nehmen, als aktuell zu Schiffskatastrophen oder Rücktritten von Skihelden Leute aufzubieten. Gemütlicher ist das schon – aber nur für Sie. Warum nicht wenigstens einmal pro Monat etwas Erfreuliches, wo der Zuschauer zum Wiederaufstellen nicht zwei starke Care-Drinks braucht? Warum immer Seelen erschüttern und nicht mal das Zwerchfell? Sie wollen offenbar nur Andacht und Geschpürschmi-Stimmung. Vor zwei Wochen haben Sie selbst das brandheisse Thema Hildebrand zu einem oberlangweiligen Leutschenbach-Geplätscher niedermoderiert. Ich nehme an, Sie interviewen nächstens «Menschen, die ins Wasser gehen wollten» und danach «Geschlagene Männer» . . . Sie haben das neue Jahr schon mit dem seltsamen Thema «Lebenshilfe aus dem Übersinnlichen» eingeläutet. Ich dachte, das sei ein Ausrutscher. Aber es scheint Programm zu sein. Ändern Sie bitte den Namen der Sendung: in «Psycho-Club».

Mit freundlichen Grüssen 
Peter Rothenbühler
 

Genfereien

"Genf torkelt von einem Blödsinn zum nächsten»

Von Matthias Chapman. Aktualisiert um 08:54   (Article paru le 23 janvier dans "Newsnetz" du Tages Anzeiger)

Klüngelei, Rangelei und überforderte Politiker. Genf kommt derzeit nicht zur Ruhe und sorgt regelmässig für Schlagzeilen. Was ist eigentlich los in der Rhonestadt?

 

Es war in der vergangenen Sylvesternacht, als Mark Muller im Genfer Nachtclub «Moulin à Danses» einen Barman am Kragen packte. Und Muller war nicht irgendein Gast, es war der Herr Regierungsrat. Dass sich solches Benehmen für einen Magistraten nicht gehört, versteht sich von selbst. Und Muller selber sah das später auch so ein. Wie diese Genfer Episode zu Ende geht, ist noch offen – einen Rücktritt schloss Muller bisher aus. Die Geschichte aber steht symbolisch für eine Stadt, die derzeit nicht zur Ruhe kommt.

«Genf torkelt von einem Blödsinn zum nächsten», sagt Peter Rothenbühler. Der Deutschschweizer Journalist lebt und arbeitet inzwischen seit knapp 20 Jahren in der Romandie und weiss, wovon er spricht.

Die Genferei

Im Zusammenhang mit Mullers Ausrutscher spricht man in Genf jetzt schon von «genferei». Sprich, um seine Person hat sich schon mehr zugetan. Da war vor allem die Wohnungsaffäre: Der gut bemittelte Herr St aatsrat bewohnt mit Lebenspartnerin und zwei Kindern eine Sieben-Zimmer-Wohnung an bester Lage zum Schnäppchenpreis von 1800 Franken. Beziehungen sei Dank. Das brachte die Genfer in Rage. Und darum fragte nun das Radio im Zusammenhang mit der Handgreiflichkeit ob das «la genferei de trop» (eine Genferei zu viel) war.

All das ginge ja noch, wenn nicht sonst vieles im Argen liegt. Da liefert zum Beispiel die Genfer Polizei seit Wochen und Monaten Stoff für die öffentliche Debatte. Es rumort im Corps, angeblich ausufernde Kriminalität macht den Beamten arg zu schaffen. Im Zentrum des Sturms steht Mullers Ratskollegin, Isabelle Rochat. Viele in Genf sagen von ihr, sie sei der Aufgabe nicht gewachsen, ja gar überfordert. Rothenbühler allerdings sieht auch ihren Vorgänger, den SP-Mann Laurent Moutinot, in der Verantwortung.

Die Tücken mit dem neuen Tram

Dumm für die Genfer Liberalen, dass jetzt mit Rochat und Muller gleich ihre beiden Regierungsr äte negativ auffallen. Und dass mit Muller ein einstiger Hoffnungsträger an Schwung verliert. Allein bei dieser Partei aber ortet Rothenbühler die Probleme der Stadt nicht. Auch im linken Lager steht es nicht zum Besten, so zumindest sieht es Rothenbühler. «Auch die verantwortliche Regierungsrätin für den Öffentlichen Verkehr ist überfordert.» Gemeint ist Michèle Künzler, Grünen-Politikerin und studierte Theologin. Mit einer neuen Tramstrecke erbte sie ein Dossier, das ihr Kopfzerbrechen bereitet. In Genf muss man jetzt viel mehr umsteigen, was bei den Passagieren natürlich nicht gut ankommt. «Da waren offenbar Planer am Werk, die nicht viel Ahnung vom öffentlichen Verkehr haben», so Rothenbühler.

Der Verkehr ist ohnehin die Achillesferse der Rhonestadt. Schon längst bräuchte Genf eine Seetraverse – sei das ein Tunnel oder eine Brücke – um den Kollaps in der Innenstadt zu verhindern. Weil sich Genf aber nicht auf eine Lösungsvariante einigen k ann, steigt auch der Bundesrat nicht auf die Planung ein.

Wer hat eigentlich das Sagen?

Nicht einigen kann man sich im Übrigen zwischen dem Kanton und der Stadt Genf. Wer hat eigentlich das Sagen am südwestlichen Ende der Schweiz? «Die beiden Regierungen bekämpfen sich dauernd», erklärt Rothenbühler. Und wenn es sein muss auch mal öffentlich. Als jüngstes Beispiel nennt der Journalist die «peinlichen» Radiodebatten zwischen Stadtpräsident Pierre Maudet und dem Vorsitzenden des Staatsrats, Pierre-Francois Unger. Hier also liegt ein Grund des Genfer Übels, dass zwei Exekutiven auf dem gleichen Territorium herrschen wollen. Ein Genfer Problem natürlich, denn der Kanton ist nicht viel grösser als die Stadt. Wäre Genf nicht so reich, könnte man sich zwei Regierungen aber schon gar nicht leisten.

Aber nicht nur Hahnenkämpfe um die Macht im Land sind der Genfer Stolperstein. «Die Stadt hat ein Wachstumsproblem», erklärt Rothenbühler. Und hier hält die Politik nicht Schritt, was sich wiederum in Wohnungsnot und Verkehrsproblemen äussert. Und genau hier stockt es offenbar mit Lösungen. So schnell wird die Rhonestadt vermutlich nicht zur Ruhe kommen und sich noch so manche «Genferei» zutragen. ()

Erstellt: 23.01.2012, 15:42 Uhr

 

© Tamedia AG Kontakt

Cher Didier Cuche

Cher Didier Cuche

Merci et encore merci. Hier, vous avez fait pleurer de joie toute une nation. Une fois de plus vous avez maîtrisé la Streif. Formidable! Si j’étais patron horloger, je vous engagerais comme ambassadeur. Vous n’êtes pas fait pour une simple pub de lunettes ou de voiture. Non, vous représentez plus, des valeurs suisses, je dirais même des valeurs jurassiennes, les plus nobles qui soient: gaillard solide, fiable, sérieux, modeste, grand travailleur, pas grande gueule pour un centime, mais avec ce talent extraordinaire et surprenant des gens du Jura pour allier la beauté, le rêve et le design avec la précision de la mécanique fine. C’est tout vous.

Vous skiez comme un horloger: vos lignes et courbes sont belles et précises à la fois, et le tourbillon que vous produisez à l’arrivée, c’est juste beau, comme une montre suisse! Et votre maîtrise du temps, incroyable: je ne parle pas seulement des centièmes de seconde que vous chipez à vos concurrents, mais de votre sensation pour le moment propice, pour la juste préparation, pour l’heure venue. Magistrale décision, votre annonce de retraite, à l’endroit même de vos plus grands triomphes!

Le petit gars des Bugnenets que vous étiez a encore un bel avenir devant lui. Mais, aujourd’hui, fêtons cette heure de gloire, ce moment d’exception de l’histoire du ski.

Cordialement, Peter Rothenbühler

PS. Après parution de cet texte, on m'a d'une part félicité d'avoir vanté le valeurs jurassiennes, d'autre part rendu attentif au fait que Didier Cuche est déjà ambassadeur d'une marque de montre, Corum. Pardonnez-moi! je ne le savais pas. Et pour cause: je me demande pourquoi ce partenariat ne se remarque pas. Où sont les annonces, les affiches qui profitent de ce mariage entre l'idôle du moment et une belle marque???

 

 

 

 

17/01/2012

Lieber Walter Andreas Müller

 

Lieber Walter Andreas Müller,  

Man hat Sie also beim Schweizer Radio und Fernsehen gleich doppelt abgesetzt («Zweierleier» und «Telefon ins Bundeshaus»). Ich finde, das ist ein ausgewachsener Skandal, vor allem die Art, wie dies geschah. Das ist nur noch unanständig. Und verletzend. Per Mail hat Ihnen also «Benissimo»-Regisseur Max Sieber mitgeteilt, dass er Sie nicht mehr brauche. Und die Begründung? Man müsse sparen. Ausgerechnet bei einer Lotterie-Sendung, wo das Geld nur so herumfliegt, dass ich nicht lache. Für Sieber ist offenbar nur wichtig, dass er regelmässig das mittelmässige Ballett unterbringen kann, mit dem er verbandelt ist. Da jammert die ganze Schweiz, dass bei uns jeder, der über Mittelmass hinauswächst, einen Kopf kürzer gemacht wird. Aber betrifft es mal beliebte Komiker wie Sie oder Birgit Steinegger, bleibt die flächendeckende Empörung einfach aus. Sie sind schlicht der beste Politiker-Imitator der deutschen Schweiz. In Frankreich oder Amerika würde Sie das Fernsehen vergolden, damit Sie nicht zur Konkurrenz gehen. Aber die gibts ja bei uns nicht. Die Monopolanstalt kann tun und lassen, was sie will. Ich verstehe gut, dass Sie jetzt links und rechts etwas verbitterte Interviews geben: Es bleibt Ihnen gar nichts anderes übrig, am Ende meinen die Leute sonst noch, Sie seien freiwillig gegangen. Wir, das Publikum, sollten eigentlich eine Demo organisieren: We want WAM! Wenigstens über Facebook. Aber was nützt es? Leutschenbach locuta, causa finita*.

Mit freundlichen Grüssen

Peter Rothenbühler

 

* Leutschenbach hat gesprochen, es ist entschieden

Catholiques et communication

 

Exposé, gehalten an einer Tagung "Communio out? Community in?" der katholischen Kirche, am 12. 1. 2012, in der Universität Miséricorde, Freiburg.

Co-Referenten: Abt Martin Werlen, André Kolly (früher für religiöse Sendungen bei der SSR zuständig) , Erzbischof Claudio Maria Celli, verantwortlich für neue Medien im Vatikan.  

Die katholische Kirche und die Medien 

von Peter Rothenbühler

Ich bin Ihnen dankbar dafür, dass Sie mich hier über das Verhältnis von Medien und Kirche reden lassen.

Sie wissen vielleicht, dass mein Vater reformierter Pfarrer war, dass ich also schon viele Kirchen von innen gesehen habe, reformierte, aber in den Ferien auch schönere, katholische. Und ich habe mich auch intensiv mit Glaubensfragen auseinandergesetzt.

Der Pfarrer gehörte in den Dörfern, wo wir wohnten, zur Prominenz, auch wir Kinder standen unter Beobachtung. 

In der Kirche gab es eine Bank, in deren Lehne « Pfarrfamilie » eingraviert war. Meine Mutter spielte Orgel.

Vater war der Mann mit dem schwarzen Talar und dem weissen Bäffchen, zu dem alle hinaufschauten. Der Mann, der die Gemeinde segnete, der die Menschen taufte, heiratete, beerdigte.  

Er war ein guter Prediger, ein hervorragender Theologe, er hat auch Bücher geschrieben.

Manchmal sage ich mir, das Zölibat hat etwas Gutes, es produziert weniger Pfarrersssöhne, die sich mit einem Vater auseinandersetzen müssen, der nicht nur überlebensgross ist, sondern auch noch die  göttliche Wahrheit vertritt und eine privilegierte Beziehung zu Vater, Sohn  und heiligem Geist hat – also übermächtig ist

und trotzdem sein Unternehmen nicht vererben kann…

Sie können sich vorstellen, dass das manchmal schwer wiegt und man froh sein kann, wenn Pfarrerssöhne oder – töchter doch einigermassen reüssieren. Und sei es auch nur in den Medien…

Eine Kindheit in einem Pfarrhaus hat auch Vorteile, es wird viel gelesen, viel diskutiert und nachgedacht, das Tischgebet, die Diskussion über wichtige politische und gesellschaftliche Fragen am Tisch, all das schärft den kritischen Verstand. Es dreht sich vieles um das Wort, die Kraft der Sprache, die Schrift, die Rede.

Eine Kindheit in einem Pfarrhaus gibt auch ein solides gedankliches Fundament, das  auf christlichen Werten beruht, die noch heute mein Denken und Handeln weitgehend bestimmen, und dafür bin ich sehr dankbar.

Sie werden verstehen, dass ich vor diesem Hintergrund schon oft aus einer kirchlichen Perspektiven über die Medien nachgedacht habe, und umgekehrt, denn das war auch ein wichtiges Thema zu Hause :

Mein Vater kam mal mit der Idee, eigentlich müsste ein Pfarrer die Leute dort abholen, wo sie sind, nämlich im Blick. Er reiste nach Zürich zur Chefredaktion des Boulevardblattes und schlug den Herren vor, jeden Samstag eine Pfarrerkolumne abzudrucken.

Sie fanden die Idee gut, gingen aber nicht darauf ein.

Das  Verhältnis der katholischen Kirche und der Medien ist heute in meinen Augen ein groteskes, ein geradezu paradoxes :

Die Kirche hätte als Medium zur Verbreitung der Botschaft Christi eigentlich sehr viel Positives anzubieten :

Vor allem ein Angebot zum Nachdenken. Zum Meditieren, zum Beten, wie Sie das vielleicht nennen.

Die Kirche hätte eigentlich die schönsten Botschaften zu verbreiten : Botschaften  der Liebe, des Friedens, der Versöhnung, der Vergebung,  der Solidarität, der Liebe zur Natur.

Aber auch ein paar nützliche Regeln zur Führung eines anständigen, eines gottgefälligen Lebenes, moralische Regeln, Anstandsregeln, die uns erlauben, ein Leben in Friede, Harmonie, Gemeinschaft, Bescheidenheit, und Selbstlosigkeit zu führen, wie : «du sollst nicht stehlen und du sollst nicht begehren »…. Undsoweiter.

Aber diese Kirche der frohen Botschaften, diese Kirche als Angebot zum Nachdenken über sich selbst, über unser Handeln in der Gesellschaft,  ist in den Medien kaum ein Thema. Oder dann nur in extra dafür vorgesehenen Spalten, in sogenannten Ghettoseiten, oder an Ostern oder an Weihnachten, wenn die Zeitugen die Seite eins frei machen für einen netten Theologen.

 

Trotzdem ist die Kirche dauernd in den Schlagzeilen :

Mit Storys, die von allem andern handeln als von frohen Botschaften.

Sie handeln von alten, hinterwäldlerischen Männern, die völlig weltfremd leben und in einer eigenartigen Sprache, völlig lebensfremde Normen vertreten, Verbote vor allem,  und zwar ausgerechnet zu jenen Aspekten der Liebe, von denen sie am wenigstens verstehen, nämlich zum Sex.

Sie sprechen über Präservative, Homosexualität, Abtreibung und neuerdings auch über die Sexualerziehung in der Schule. Und natürlich haben sie damit einen gewissen Erfolg : Sex sells, sagen Zeitungsmacher. Und Sex kombiniert mit Kirche verkauft sich noch besser.

Gerade kürzlich hat ein Schweizer Bischof, Vitus Huonder aus Chur, in einer wichtigen Sonntagszeitung  mit einer Aufdringlichkeit, die nur erstaunen kann, über die Sexualerziehung in den Schulen sein völlig weltfremdes Urteil gefällt.

Dies notabene als Vertreter einer Institution, die in den letzten Jahren vor allem mit massenweise begangenen Verbrechen gegen die Liebe, das Vertrauen und den kindlichen Glauben Schlagzeilen gemacht hat.

Sein Vorprellen hat nur Kopfschütteln ausgelöst in der Leserschaft.

Ich habe mich als unbeteiligter Beobachter gefragt, ob der Mann eigentlich darüber nachgedacht hat, wie sehr er mit seinem Bannstrahl seiner eigenen Kirche geschadet hat. Sie – einmal – mehr zum Objekt abschätziger Kommentare gemacht hat. Sie lächerlich gemacht hat.   

Zum Glück hat der Bischof von Basel, Gmür, höchst vernünftig und für kirchliche Verhltnisse- recht rasch und ohne Umschweife repliziert.  

Doch einmal mehr hat sich eine eigentlich respektable Institution, die man auch gerne respektieren möchte, von ihrer schwächsten Seite gezeigt. Man musste und muss sich schon fragen: haben die Bischöfe wirklich keine anderen seelsorgerischen Sorgen als die strenge Ueberwachung der Sexualmoral, die ihnen eh davonläuft… ?

Und warum lassen sie es zu, dass immer die schwärzesten Schafe am lautesten blöken ?

Die Frage stellt sich in aller Schärfe : will die Kirche weiterhin unter der negativen Berichterstattung leiden, die einerseits von den Verbrechen der Veregangenheit  gegen Kinder handeln und andrerseits von randständigen, minderheitlichen militanten Exponenten, die mit ihren Stellungnahmen  ein negatives, erzkonservatives, reaktionäres Bild der Kirche projezieren. Soll sie diese Situation still erdulden ?

Oder soll sie sich fragen, wie sie sich aktiv aus dieser unheilvollen Botschaftsverwirrung wieder herausbegeben kann ? Wie die Kirche ihre frohen Botschaften wieder besser einbringen kann in die Medien. Zum Thema machen kann.

Falsche Freunde, diese Journalisten, die so tun, als meinten sie es gut mit uns…

Sollen mal besser vor der eigenen Tür wischen…. Sagen Sie sich vielleicht jetzt.

Ich will gar nicht abstreiten, dass die Medien nicht auch in einer Krise sind. Sie sind es, vor allem aus strukturellen Gründen. Weil die Medienwelt sich dank neuer technischer Kommunikationsmittel enorm verändert, weil es eine Verschiebung vom Print zum Internet gibt. So wie es in der Vergangenheit eine Verschiebung zum Radio, dann zum Fernsehen gab und damit eine Neuverteilung der Karten. Und weil es zu  Konzentrationsbewegungen kommt, die wirtschaftlich nötig sind. 

Aber bitte : verwechseln sie diese struktuelle, technische und wirtschaftliche Krise bitte nicht mit einer Krise der Qualität. Die Krise, die wir zurzeit erleben, führt und wird noch zwangsläufig zu einer Verbesserung der Qualität der Information führen, zu einer Verbesserung des Journalismus.    

Ich bitte Sie, nicht einfach in den Kanon jener medienkritischen, politisch weit links stehenden Professoren einzustimmen, die von einer staatlichen Kontrolle der Printemdien träumen und in ellenlangen Betrachtungen und Berichten zuhanden des Bundesrates feststellen und bedauern, dass die heutigen Medien immer mehr Richtung People und Faits Divers abdriften, also Richtung Sensationen aus dem Bereich Unglücksfälle und Verbrechen, nur noch Bildli bringen und immer weniger Texte, vor allem hintergründiger und tiefschürfender Art.

Sie brauchen nur mal ein paar Ausgaben des Tagesanzeigers, der 24heures, der Liberté und irgendeiner andern Zeitung nehmen, die vor dreissig Jahren erschienen ist, als alles noch soooo  gut war, dann sehen Sie selbst, wie viel an Substanz die Zeitungen inzwischen gewonnen haben.

Also, noch einmal : was tun ?

Sie können sich natürlich grundsätzlich von den modernen Massenmedien abwenden, in den Kanon der linken Professoren einstimmen und sagen, die Medien seien sowieso nur noch am Profit interessiert und an allem was stinkt.

Sie können auch resignieren, und festhalten, dass das Religiöse per definitionem « das Stille » ist. Und sich nicht mit dem Lärm der Medien vereinbaren lässt.

Sie können sagen, eine Botschaft, die an Werte  wie Liebe, Freunschaft, Solidarität, Frieden und Gemeinschaft, appelliert, kann sich kein Gehör verschaffen in einer Medienwelt wo der Dissident, der Exot, der Abtrünnige, der Gewalttätige, der Protestler, der Skandalöse immer mehr Brot hat als der Weise, der Friedfertige, der Kluge und der stille Schaffer.

Das können Sie tun, und man wird Sie in Ruhe lassen.

Aber es ist falsch :

Ein solches Verhalten würde direkt zur Marginalisierung der Kirche führen, die doch eigentlich mitten ins Dorf gehört. Ins Dorf, das inzwischen, ob wir es wollen oder nicht, ein virtuelles, ein mediales geworden ist.

Was wäre das Resultat eines solchen Rückszuges? Wo eine Lücke entsteht, wird sie immer gefüllt, das nennt man l’appel du vide. Es würde all jenen religiösen Bewegungen Auftrieb geben, die sich nicht scheuen, die Medien zu nutzen, zu instrumentalisieren, medialen Lärm zu produzieren.

Es gibt ein schönes Beispiel aus einem andern Bereich, das illustriert, was geschieht, wenn man den Medien nur misstraut und die kalte Schulter zeigt.

Der Gesundheitsbereich.

Früher, das heisst bis in die späten achtziger Jahre publizierten die Aerzte nur in Fachblättern und wenn eine normale Zeitung, Frauenzeitschrift oder Illustrierten das Radio oder das Fernsehen eine medizinische Auskunft wollte,  stritten sie sich dauernd standespolitisch darüber, wer überhaupt Auskunft geben, reden oder schreiben darf. Und kamen zum Schluss : niemand.

Da der Bedarf an medizinischen Themen und Auskünften deshalb nicht einfach versiegte, geschah folgendes : die billigen Lebenshilfe- und Gesundheitsstorys aus oesterreichischen, deutschen und amerikanischen Agenturen nahmen überhand, die Medien wurden überflutet mit Material, das günstig erworben werden konnte, aber inhaltlich mit den hier massgebenden medizinischen Fachleuten und deren Wissen und Methoden nichts zu tun hatte. Ich habe dies noch bis in die neunziger Jahre erlebt, bis endlich die Türen aufgingen und medientaugliche Professoren, Chefaerzte und Spezialisten ins Fernsehen und die Zeitungen gehen durften.  

Ich ziehe diese Parallele bewusst, weil das Thema Gesundheit bei allen Leserfragen ganz oben steht.  

Nun, alle Umfragen zeigen, dass auch Glaubensfragen, der Sinn des Lebens und  « Werte » ganz oben auf der heimlichen Wunschliste der Leser rangieren.  Und wer befriedigt heute dieses Bedürfnis nach  Informationen zu Glaubens- und Wertefragen : Feld- Wald- und Wiesenesoteriker, Lebenshilfe-Bücher mit religiösem Einschlag, von Mystikern, Scharlatanen, Charismatikerin, Wunderheilern, Wahrsagern, von Evangelikalen,  oder wenn’s katholisch wird, von abtrünnigen Theologen. Sie brauchen nur mal zu schauen, was für Themen der « Club » inzwischen diskutiert, gerade letzte Woche waren eine ganze Reihe von Menschen da, die von  übersinnlichen , magischen, spirituellen Erlebnissen berichtet haben, ohne auf irgendwelche Gegenrede zu stossen. 

Sie sehen, man kann eine direkte Parallele ziehen von den Aerzten zu den Bischöfen. Die Bischofskonferenz von heute scheint sich in der gleichen Situation zu befinden wie die Aerztegesellschaft in den achtziger Jahren. Nur ja nichts sagen, und wenn einer zu laut wird, sofort Gegenfeuer geben.  Und es übernehmen andere das Feld. Scharlatane vor allem, aber auch ernstzunehmende Leute : Schriftsteller, Philosophen, Psychologen, Lebensberater, Coachs, die den Menschen auf ihr enormes Bedürnis nach Lebenshilfe brauchbare Antworten anbieten. Wo sind unter diesen Lebenshelfern die Kirchenleute ? Die Priester und Theologen, die über Jahrhunderte die einzige Anlaufstelle für sogenannte Lebenshilfe waren ?

Wann haben wir das letzte Mal eines Substantielles gehört aus der Küche der Bischöfe? Seit dem grossen Medienauftritt in Einsiedeln im Juni 2010, nach den Missbrauchsskandalen, anderthalb Jahre ist es her, ist die Bischofskonferenz de facto aus der Oeffentlichkeit verschwunden. 

Hat es eine Stellungnahme der Bischöfe nach Fukushima gegeben, zur Hungerkatastrophe in Ostafrika, was sagt die Kirche mit ihrer Soziallehre zur Finanzkrise, was zur Europakrise, zur Solidarität unter Staaten ? Was sagt die Kirche zu den wahren Aengsten der Menschen, zur drohenden Wirtschaftskatastrophe im nächsten Jahr, zu drohender Arbeitslosigkeit, zu drohender Armut ? Es ist sicher nicht die Sexuelle Aufklärung in der Schule, die die Leute bewegt…

Die intelligenteste Botschaft, die ich als normaler Zeitungsleser in den letzten Monaten gelesen habe, war die Botschaft von Abt Martin Wehrlen aus Einsiedeln zum 1. August, in der er sagte, dass die Kirche immer auch  politisch ist, dass sie Partei ergreifen darf, sich dabei aber aufs Evangelium stützen soll und nicht auf Parteiprogramme (ungefähr so…)

Solche Verlautbarungen sind nötig, wenn die Kirche existieren will. Liest man die Bibel, wird ja dauernd etwas erklärt, es kommen dauernd Zitate vor, es heisst dauernd « und er sprach ». Fast wie in einem guten amerikanischen Roman. Kirche ist – glaube ich - reden, nicht schweigen.  

Und glauben sie ja nicht, dass Ihre Worte, wenn Sie denn mal sprechen, nur die langweiligeren Zeitungen interessieren, die nicht ans breite Volk gelangen.

Auch die populärsten Medien, die sogenannten  Boulevard-Medien wie das Fernsehen und Zeitungen wie Blick und Le Matin eignen sehr wohl zur Vermittlung von Werten, zumal christlichen Werten, sie können sehr wohl auch den Lesern helfen, religiöse und moralische Fragen zu erörtern und zu beantworten, im Besondern die tägliche Frage, was denn gut und was böse sei.

Ich würde sogar behaupten, dass sie dies bereits tun,

nur leider eben ohne Mitwirkung der Kirchen.

Ich spreche nicht von der etwas naiven Idee meines Vaters, dem Pfarrer eine Kolumne zu geben.  Nein, die Wertediskussion gehört mitten ins mediale Dorf, und zwar genauer gesagt dorthin, wo die Kirche vielleicht immer nur verschämt wegschaut….

Ich will Ihnen erzählen, was ich auch meinen Studenten in Neuenburg und Genf zum Thema «Faits Divers», das man auf deutsch als «Unglücksfälle und Verbrechen » bezeichnen könnte und zu den Themen «People» und «Pressefotografie» erzähle, also eigentlich zu Gebieten, die viele von Euch nur mit Verachtung betrachten und am liebsten in der untersten Schublade der Kommunikation versorgen.

Ich möchte sie auf die eminent moralische und emotionale Komponente dieser Bereiche aufmerksam machen.

Warum sind die Menschen, die Leser, die Medienkonsumenten so sehr interessiert an Berichten über Verbrechen aller Art, über Unfälle, Katastrophen, Prozesse ?

Aus drei Gründen :

-         Erstens sind Berichte über Verbrechen leicht zuverstehen, es gibt Täter und  Opfer und einen Anfang und ein Ende der Story, und viele Details dazwischen, die nichts mit Kernphysik, Metaphysik, mit Finanzkrise oder einer anderer schwieriger Materie zu tun haben.

-         Zweitens erlauben die Berichte Teilnahme, Kommunikation unter den Menschen, man kann sich im Café, auf der Strasse, im Tram über das Verbrechen  austauschen. Jeder kann nacherzählen, was passiert ist. Man ist dabei, man kann Experte sein. (Versuchen Sie mal, im Café nachzuerzählen, was Sie gerade über die letzte Rettungsaktion der EU-Regierungen für Griechenland erfahren haben…)

-         Und drittens – jetzt kommt der wichtigste Punkt – dreht sich dann die  Diskussion meistens um die moralische Frage, was gut und was schlecht ist, was man darf und was man nicht darf, wofür man gestraft werden sollte und wofür nicht, Schuld und Sühne, eventuell Reue oder sogar Vergebung. Die Menschen debattieren anhand von solchen Storys über Moralvorstellungen und üben mit sich selbst eine Art innere Befragung : Wärest Du zu einer solchen Tat fähig, unter welchen Umständen, was würdest du tun, wie würdest du dich als Opfer verhalten, wie würdest du dich dem Täter gegenüber verhalten, undsoweiter undsofort. Das kollektive Verarbeiten von fürchterlichen Meldungen, die man gerne liest, mit einem gewissen Schaudern oder gar mit Abscheu, erlaubt den Menschen moralische Orientierung.

Menschen sind stets auf der Suche nach dem richtigen Weg in ihrem Leben.

Und gleichzeitig immer wieder versucht, die Grenze zu überschreiten, vom guten Pfad abzuweichen. Die Faits divers berichten von Grenzüberschreitungen, von Missetaten, von schrecklichen Ausrutschern, Abstürzen, furchtbaren Taten… von Menschen, die vom richtigen Pafd abgekommen sind.

Jeder Bericht über ein Verbrechen erlaubt es dem Leser, sich selbst wieder zu orientieren, wieder auf den richtigen Weg zu finden.

Wer jetzt an die Gleichnisse von Jesus denkt, der ein prima Erzähler war und immer einen Stoff zur Hand hatte, um ein moralisches oder philosophisches  Problem bildlich und dramatisch  darzustellen, liegt nicht falsch. Die faits divers haben heute weitgehend die Funktion der biblischen Gleichnisse.

Was waren denn diese Geschichten von der Heilung eines Lahmen und Blinden, die Geschichte von der drohenden Steinigung einer Ehebrecherin, der Zoff mit den Geldwechslern im Tempel anderes als « faits divers », Storys aus der Rubrik Unglücksfälle und Verbrechen.

Nur, wer zieht die Schlussfolgerungen ? Meistens die Journalisten selbst, in einem wuchtigen, populistischen oder wenn’s gut kommt, differenzierten Kommentar, oder es werden jeweils sogenannte Experten gefragt : Juristen, Psychologen, Erzieher, Strafrechtsprofessoren, Politiker. Und selten Priester, Theologen…

Là, il y a aussi une place à prendre, würde ich mal sagen. Vielleicht nicht an vorderster Front, ich will jetzt nicht fordern, dass der Blick-Chefredaktor immer ein Priester sein muss,  aber wenn zum Beispiel « Deer Club », « Infrarouge » oder « Zone d’ombre » oder andere Diskussionsmagazine über ein aktuelles Verbrechen oder Drama diskutieren, sollte ein Kirchenmann dabei sein..

Und : welcher Seelsorger predigt heute noch so wie Jesus Christus, in dem er von einem aktuellen Faits divers oder Skandal ausgeht, die Story bildhaft erzählt, dann einordnet und den geeigneten Kommentar dazu abgibt ? Orientierung bietet.    

Kommen wir zum Bereich des People-Journalismus, über den Sie vielleicht auch nur die Nase rümpfen, ohne näher hinzusehen und zu beobachten, was hier eigentlich los ist.

People sind Menschen, die aus der Menge herausragen, sogenannte Prominente, die wir zu kennen glauben, weil sie uns von den Medien, das heisst in erster Linie vom Fernsehen in die gute Stube gebracht werden.

Und damit unsere Neugier wecken. Worauf ? Wofür interessiert sich der Mensch am meisten?

Für andere Menschen und dafür, wie andere Menschen leben.

Und in welchen Momenten des Lebens interessiert sich der Mensch am meisten für andere Menschen ?

Immer, wenn der andere eine entscheidende, emotional starke Etappe des Lebens erlebt : Geburt, Examen, verlobung, Hochzeit, Kindersegen, Unfall, Scheidung, Verbrechen, Prozess, Krankheit, Tod.   

Wir brauchen diese Teilnahme am Schicksal der andern.

Auch, wiederum, um uns selbst einzuordnen, uns selbst zu hinterfragen, ob wir eigentlich auf dem richtigen Weg seien.

Warum am Beispiel der Prominenten :

Weil viele Menschen, fast die Mehrheit der Menschen vereinsamt, sie nehmen an keinem Dorf- oder Vereinsleben mehr teil, die Familie ist ebenfalls aufgelöst  und der Nachbar existiert nur noch als Briefkasten.

People-Journalismus ist nichts anderes als menschliche Nachrichten aus der Nachbarschaft, aus dem Dorf. Da die Nachbarschaft nicht mehr existiert, wurde sie ersetzt durch die Prominenz. Sie ist das Ersatzdorf. Und dei menschlichen Nachrichten, die uns interessieren, drehen sich meistens um Familienfragen, um Liebe, um Geld und um Glauben.

Wir interessieren uns zwar  auch für die grossen künstlerischen, politischen, wissenschaftlichen oder wirtschaftlichen Leistungen der Prominenz, aber unsere  Neugier richtet sich letztlich auf den Menschen, auf das simple Menschsein : was verstehen wir schon von den finanziellen und wirtschaftlichen Kompetenzen eines Dominique Strauss-Kahn. Nicht viel. Aber wir haben fast alles verstanden über sein Sexleben, die Beziehung zu seiner Frau, wir sind fasziniert von Anne Sinclair, die zu ihrem Mann steht, obschon er sie tausendmal betrogen hat…

Es ist eine Geschichte von Moral, von Gut und Böse. Von menschlichen Fehlern und von Vergebung..

Natürlich ist die People-Presse eine reine Ersatzbefriedigung für echte Teilnahme an echten Menschen, die wir wirklich kennen und auch berühren können.

Aber der Erfolg der People-Presse ist auch ein Hinweis darauf, dass die Menschen ein riesiges Bedürfnis nach Gemeinschaft, nach Anteilnahme haben. Teilnahme an gemeinschaftlich erlebten Zeremonien, Höhepunkten im Leben eines andern.

Früher war die Kirche der Ort dieser Gemeinschaftserlebnisse.

Heute zeigen Umfragen, dass die Menschen für eine Hochzeit, eine Taufe, eine Beerdigung gerne wieder eine Zeremonie hätten und einen räumlichen Rahmen , den eigentlich nur Kirchen bieten können, sie möchten in die Kirche gehen, weil sie dieses starke Bedürfnis nach Kommunion haben, aber  sie sagen auch

In die Kirche ja, aber ohne die Kirche……glauben ja, aber ohne Priester, Gott ja, aber ohne Vatikan.   

Das ist eine schlimme Diagnose. Das ist eine Katastrophe.

Aber das kann auch als Chance interpretiert werden.

Auch hier : Il y a une place à prendre.

Ueber die Zeremonien kommen wir zum Bild :

Wir leben eigentlich in einer vorreformatorischen Zeit, das Bild dominiert wieder, es fasziniert, es wird als Ikone angebetet, selbst Kinderzimmer sind vollgepflastert mit Ikonen von Stars, die sie verehren.

Das Fernsehen hat das Bild zum vordergründigen Elemente der Information erhoben, die Vermittlung von Nachrichten, aber auch die Unterhaltungssendungen, stellt das Fernsehen in einen Rahmen, dem eine Verwandtschaft zur religiösen und kirchlichen Ikonographie und Szenografie nicht abgestritten werden kann : Es ist eine bunte Mischung aus Verkündigung von Botschaften, Musik, Bildern, Lichteffekten. 

Nicht von ungefähr nennen auch die Fernsehleute selbst die Tagesschau, das Journal, die immer zur gleichen Tageszeit die Familien vor dem Fernseher versammeln, «die grosse Messe». Und die Moderatoren dieser Messen werden verehrt wie die Verkünder einer höheren Wahrheit, wie Priester.

Und es ist wie in einer katholischen Messe : das Gemeinschaftserlebnis, die Kommunion vor dem Fernseher ist in vielen Familien fast wichtiger als der Inhalt, die Aufnahme der Information. Meistens können Fernsehzuschauer nicht korrekt wiedergeben, wovon wirklich die Rede war.

Es ist ein quasi religiöses innerfamiliäres Zeremoniell, das sich da vor diesem Alter des Medienzeitalters abspielt.       

Ich will damit nur sagen, dass eine Messe von der Form und vom Inhalt her eher etwas Modernes ist. Sicher moderner als ein protestantischer Gottesdienst.

Auch hier stellt sich nur die Frage, wie bringt man die Leute im Fernsehzeitalter in die Messe oder wie bringt man die Messe ins Fernsehen. 

Jetzt könnten wir noch über modernes Marketing reden : warum kriege ich dauernd Post von Versicherungen, von Swisscom, von Banken und Hilfswerken und nie eine Einladung der Kirche. Oder wenigstens ein Dankesschreiben dafür, dass ich die Kirchensteuer zahle. Irgendein Signal.

Und wir könnten darüber reden, wen wir auf dem Marktplatz antreffen : politische Parteien, Bettler, Junkies, Musiker, Vertreter von Falkun Gong, von der Heilsarmee, von Hare Krishna. Aber ich habe noch nie an einem Stand der katholischen Kirche  einen heissen Tee serviert bekommen. Ich würde bei DIESEM Stand sicher nicht vorbeigehen.       

Ich danke Ihnen  für die Aufmerksamkeit.     

 

 12.1.2012, Freiburg, Peter Rothenbühler

 

 

 

 

 

     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

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Cher Mark Muller

Cher Mark Muller

Peu importe qui a cogné le premier, dans la nuit du 1er janvier. Aux juges de démêler les faits. Un conseiller d’Etat légèrement ivre, emmêlé à 5 heures du mat’ sur le parvis du «MàD» dans une bagarre avec un barman, ce n’est pas glorieux, ni pour lui ni pour la République qu’il est censé représenter. Je dirais même que cela ne devrait jamais arriver. Ou ne jamais monter jusqu’au tribunal…

Bien sûr que vous avez le droit de boire quelques verres de trop à Nouvel-An, mais pas n’importe où et à n’importe quelle heure. Et quand vous vous faites agresser à la sortie des toilettes, vous ne devriez pas riposter, ni verbalement, ni physiquement. Vous le savez bien.

Le malheureux «Dégage, pauvre con!» de Sarkozy lui a coûté très cher. Mais lui, au moins, il sait aussi cogner en politique. Alors que chez vous, on attendrait justement un peu plus de pugnacité: Pour faire sauter les verrous qui bloquent la situation catastrophique de l’immobilier à Genève, par exemple. Une réputation de cogneur, ce n’est pas si mal en politique, sauf quand c’est lié à des histoires de sortie de bar, bien sûr. Et quand l’affaire se termine inutilement devant les juges.

Quel genre de négociateur êtes-vous? Quelques verres de plus, et le différend était réglé, non? Pour le bien de la République. Et de votre réputation.

Cordialement, Peter Rothenbühler

10/01/2012

Cher Pascal Broulis

Cher Pascal Broulis,

Ouh là, là, un livre sur les impôts, écrit par le ministre des Finances du canton de Vaud. La barbe, me suis-je dit, quand j’ai reçu en cadeau votre bouquin «L’impôt heureux en 150 anecdotes». «L’impôt heureux»… on se moque de moi ou quoi?

Mais quelle surprise: je l’ai lu! Il est plein d’infos amusantes, instructives et surtout: bien écrit et bien illustré. C’est le premier livre que j’ai seulement osé ouvrir sur un sujet qui m’indiffère (ou me rebute) presque autant que la physique quantique.

Attention, je paye mes impôts, je suis un contribuable consciencieux, mais je ne lis même pas les instructions et recommandations qui accompagnent le courrier de vos services, la déclaration d’impôt. Parce ce que je suis convaincu que je n’y comprends rien.

Et là, j’ai lu, et lu et lu, comme si j’avais un roman policier norvégien entre les mains. Vous êtes un véritable sorcier, Monsieur. Vous me rappelez mes meilleurs profs, ceux qui savaient nous intéresser à des sujets ultradifficiles en nous racontant des anecdotes significatives, avec enthousiasme et les yeux brillants. Voilà un ministre des Finances qui ne se contente pas de tondre les contribuables comme des moutons mais essaye, et réussit, à les rendre plus intelligents. Avec le sourire. Ça vaut presque un prix littéraire.

Cordialement, Peter Rothenbühler

01/01/2012

Liebe Micheline Calmy-Rey

Liebe Micheline Calmy-Rey,

Sie waren in den letzten Jahren meine Lieblingskorrespondentin, auch wenn Sie mir nie zurückgeschrieben haben. Ich konnte mich immer so schön ärgern über Sie. Und wundern. Noch vor zwei Jahren sagte man Ihnen ein Karriere-Ende mit Schrecken voraus. Jetzt, wo Sie durch einen politischen Schluck Tee ersetzt werden, bricht plötzlich so etwas wie Nostalgie aus. War dies die letzte Figur mit Ecken und Kanten im Bundesrat ? Kommt jetzt wieder eine Durststrecke der aussenpolitischen Neuenburger Pendulen à la Aubert- und Felber? Es weinen die Karikaturisten. Und die Kommentatoren finden endlich, doch, doch, die Frau hat’s gebracht, an einem Posten, wo prinzipiell nicht viel auszurichten ist, hat sie einiges bewegt, manchmal sogar im Interesse des Landes. Ihr starkes Auftreten, Ihr Charisma, Ihre Eleganz sind weltweit positiv aufgefallen. Sie sind also dauf und dran, als recht gute Aussenministerin in die Geschichte einzugehen. Wobei vermutlich bei vielen Lobhudlern der leise Wunsch mitschwingt, dass Sie definitiv von der Bildfläche verschwinden, und nicht, wie Sie schon gedroht haben, sich weiter für gewisse Anliegen einsetzen werden (Aerger garantiert !). Ihr Abschied kommt auch in einem Moment, wo eigentlich alle offenen Fragen ihrer Amtszeit geklärt sind, ausser einer natürlich : Wer ist eigentlich Ihr Coiffeur ? Ich gebe zu, dass ich in den letzten Jahren mehrere Reporter auf die Suche geschickt habe, um den Kerl blosszustellen, leider erfolglos. Jetzt gebe ich es auf. Good luck !

Herzlich

 

Peter Rothenbühler

Chère Gisèle Ory

 

Chère Gisèle Ory,

Vous ne défendez pas trop bien votre projet d’«hôpital multisites» pour le canton de Neuchâtel. Au lieu de taper du poing sur la table, vous tapez sur vos critiques. Au lieu d’en faire une affaire personnelle, vous vous cachez derrière des experts et vos collègues du Conseil d’Etat qui vous soutiennent à peine. Il me semble que vous essayez même de cacher les véritables enjeux.

En déclarant que «les critères» pour votre concept (la chirurgie à La Chaux-de-Fonds, la maternité à Neuchâtel, etc.) «sont médicaux et économiques avant d’être politiques», vous tordez le cou à la logique économique, médicale et financière qui veut qu’un petit canton se dote d’un seul grand hôpital. Tout le monde sait que l’obstacle qui empêche une solution plus rationnelle est d’ordre purement politique: la concurrence terrible entre le Haut et le Bas, un «mal neuchâtelois» inguérissable. On a beau dire qu’une ambulance met moins de temps pour se rendre de La Tchaux à Neuch’ que de Renens au CHUV, rien n’y fait. Il fallait à tout prix ménager le Haut et le Bas, quitte à créer des structures monstrueuses.

Pour guérir un mal de ce genre, il faut d’abord passer par un diagnostic clair, net et brutal. Osez-le! Et vous avez peut-être encore une chance de réussir dans votre fonction de cheffe du Département de la santé.

Cordialement, Peter Rothenbühler

Chère Gisèle Ory

 

Chère Gisèle Ory,

Vous ne défendez pas trop bien votre projet d’«hôpital multisites» pour le canton de Neuchâtel. Au lieu de taper du poing sur la table, vous tapez sur vos critiques. Au lieu d’en faire une affaire personnelle, vous vous cachez derrière des experts et vos collègues du Conseil d’Etat qui vous soutiennent à peine. Il me semble que vous essayez même de cacher les véritables enjeux.

En déclarant que «les critères» pour votre concept (la chirurgie à La Chaux-de-Fonds, la maternité à Neuchâtel, etc.) «sont médicaux et économiques avant d’être politiques», vous tordez le cou à la logique économique, médicale et financière qui veut qu’un petit canton se dote d’un seul grand hôpital. Tout le monde sait que l’obstacle qui empêche une solution plus rationnelle est d’ordre purement politique: la concurrence terrible entre le Haut et le Bas, un «mal neuchâtelois» inguérissable. On a beau dire qu’une ambulance met moins de temps pour se rendre de La Tchaux à Neuch’ que de Renens au CHUV, rien n’y fait. Il fallait à tout prix ménager le Haut et le Bas, quitte à créer des structures monstrueuses.

Pour guérir un mal de ce genre, il faut d’abord passer par un diagnostic clair, net et brutal. Osez-le! Et vous avez peut-être encore une chance de réussir dans votre fonction de cheffe du Département de la santé.

Cordialement, Peter Rothenbühler

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