15/03/2011

Lieber Kurt Felix

Lieber Kurt Felix,

Wann kommst Du wieder ? Das ist die Frage, die ich Dir immer wieder stelle, seit du mit 50 beschlossen hast, deine TV-Karriere abzuschliessen und das Privatleben mit Paola zu geniessen. Keiner hat’s geglaubt, damals. Aber Du hast es durchgezogen, mit Velo, Motorboot, Haus in Italien. Und glücklicherweise auch mit Kolumnenschreiben. Deine Kommentare in der Schweizer Illustrierten sind  Kult geworden, du hast so viele neue Begriffe geprägt wie nur  Kachelfrosch zum Wetter. Hast als Hohepriester der Unterhaltung sogar Intellektuellen die Scham vor dem TV-Genuss genommen.  Jungjournalisten, die noch nie « Verstehen Sie Spass ?» gesehen haben, nicht wissen, dass Du weltweit als Erster die versteckte Kamera zur Samstagabendkiste gemacht hast,  klopfen noch heute bei dir an, wenn sie  TV-Expertise brauchen. Alt-Journalisten übrigens auch (Danke für die vielen Tipps !). Noch nie ist einer so früh abgetreten um solange dabeizubleiben.  Ich bedauere nur, dass du kein Buch geschrieben hast, auch über dein Eheglück z.B., das jeden Eheberater närrisch macht.  Jetzt überschlagen sich die Medien natürlich mit Interviews zum Siebszigsten. Das mag ich Dir gönnen. Nur sehne ich mich nach einer Zeit zurück, wo man Prominente noch  weniger gnadenlos auf ihre Krankheiten ansprach – und reduzierte. Du bist nicht Kurt Krebs, dammi. Du bist Felix, der erfolgreichste TV-Macher der Schweiz. Also : wann kommst du wieder ? Ich kenne die Antwort : « Weisch, Peter, ich han beschlosse….. » Okay, ich insistiere nicht. Hebs guet !

Herzlich

Peter Rothenbühler

Paru dans Sonntagszeitung du 13 mars 2011

27/02/2011

Liebe Wintersportorte,

Liebe Wintersportorte,

Der liebe Gott hat wieder mal Erbarmen gehabt mit Euch. Er lässt es schneien.  Eigentlich hätte er euch mit vier Monaten Schneeentzug strafen sollen. Denn ihr habt diesen Winter Millionen verloren, nur weil ihr zu geizig seid, ein paar Franken in Marketing und Kommunikation zu investieren. Sorry, aber als grosser Fan des Skisports ärgert mich Eure Passivität. Am Radio höre ich dauernd Tourismusverantwortliche optimistische Rückmeldungen geben :  alles paletti mit dieser Wintersaison. Dabei ist doch die knallharte Wahrheit die, dass viele Touristen einfach ausgebleiben sind. Und zwar nur, weil sie schlicht nicht wussten, wie’s bei euch oben aussieht. Die hörten und sahen und lasen nur, was die Medien an Bad News verbreiteten. Schlittler sterben zuhauf, die Pisten sind grün oder gefährlich beinhart, die Kurorte setzen schon auf Sommersportarten! Auch ich hätte die Lage so gesehen, wäre ich nicht schon x-mal  in die Berge gefahren, um die fast menschenleeren, Pisten zu geniessen. Es hat Schnee in den Bergen, gopf, immer gehabt! Warum, um Himmelswillen, habt ihr nicht schon längst eine schnelle Werbekampagne geschaltet, die allen die Augen  öffnet. Warum pickelt Tourismus Schweiz dauernd an Chinesen herum, ist aber nicht in der Lage, eine Feuerwehrübung für die Wintersportorte loszutreten ?  Geiz allein kann es nicht sein. Ist es die Unfähigkeit, mal gemeinsam etwas starkes zu unternehmen ? Weil jeder schadenfreudig denkt, dem andern geht’s sicher noch schlechter?

Herzlich

Peter Rothenbühler

06/12/2010

Lieber Julian Assange

Lieber Julian Assange,

Sie wollen in die Schweiz kommen. Wozu eigentlich? Weil Sie hier suchen, was Sie andern nicht gönnen: Privacy. Sicherheit? Ich weiss nicht, ob Sie zur Schweiz passen. Bei uns kommen nämlich Fundis aller Art nicht so gut an. Sie haben aber diesen « Blink in the eye » des Fanatikers, des gnadenlosen Weltverbesserers, des Oberfundis. Sie selbst sehen sich heute als Helden der Transparenz. Gerade wir Journalisten sind ja schon für mehr Transparenz. Aber was Sie organisieren, hat mehr mit Inkontinenz zu tun: da wird einfach die ganze Blase auf den Boden geleert. Das Vorgehen ist ja auch vom Marketing-Standpunkt aus gesehen eher ungeschickt. Jeden Monat nur ein Landes-Dossier rauslassen, wäre für Sie - und für uns - viel ergiebiger gewesen. Aber das ist vielleicht Ihr Problem : Nur in der Masse wirkt das Material. Letztlich ist durch Ihr Leck nämlich kein einziges Verbrechen oder Komplott aufgedeckt worden. Wir erfahren nur, dass erwachsene Diplomaten hinter verschlossenen Türen die Wahrheit undiplomatisch formulieren. Die Message heisst : Unter den Kleidern ist der König nackt. Das wissen aber auch Putin und Merkel längst. Die amerikanische Diplomatie, der wir – dank Kino und Thrillern- bis gestern fast alles zugetraut haben (Erpressung, Mordkomplotte, Folterberatung, etc), kommt dabei eigentlich ganz gut weg. Fast zu gut. War das etwa Ihr Ziel ? Werden Sie gar von der CIA finanziert? Packen Sie endlich aus ! Die ganze Welt möchte eigentlich nur eins wissen : wer Sie wirklich sind. 

Herzlich

Peter Rothenbühler

 

30/11/2010

Lieber Felix Gmür

Lieber Felix Gmür,

Da sieht man, wie es herauskommt, wenn nicht Rom allein entscheidet : das Domkapitel wählt einen jungen Bischof, der allen gefällt. Keinen traurigen Theologe mit gebeugtem Haupt, keinen versauerten Jurassier im AHV-Alter, keinen Fundi aus Vaduz, nein, einen munteren, jungen Lozärner Fasnächtler mit Schalk, einen, der dafür sorgt, dass wieder mal Freude herrscht im Schweizer Katholizismus. Ich kenne ein paar Protestanten, die erblasst sind vor Neid, als Sie Ihr Foto in den Zeitungen sahen : diese Publizität ! Diese Interviews.  Wenn der neue Präsident einer reformierten Synode ernannt wird, reichts grad für eine Viertelseite, haben die gemurmelt. Aber Luther und Zwingli haben eben das Zeitalter McLuhans nicht kommen sehen : the medium is the message. In der Pracht liegt die Macht der Kirche Roms. Diese Kardinäle zum Beispiel, kürzlich in Rom, mit ihren wunderbaren roten Roben, stellen Sie sich mal vor, die Greise hätten sich im grauen Zweireiher in einem Kongresszentrum zur Diplomübergabe getroffen, da hätte kein Hahn danach geschreit. Zum Glück ist der Papst immer noch gegen die Frauenordination und die Aufhebung des Zölibats. Stellen Sie sich mal vor, eine Christa Rigozzi oder eine Paola Felix könnten Bischof oder Kardinal werden. Da wäret Ihr Katholiken nicht mehr weit entfernt von der einen, allgemeingültigen Kirche, die Ihr Chef anstrebt. Aber das gefällt mir eben an Leuten wie Ihnen : Sie geben sich modern, bleiben dabei aber stockkonservativ. Bitte so weitermachen, gell!   

 

Herzlich

 

Peter Rothenbühler