22/07/2010

Lieber Sepp Blatter

Lieber Sepp Blatter

Wenn ich an Sie denke, sag ich mir, dass wir schon ein seltsames Völklein sind. Da organisiert und präsidiert ein Schweizer das gigantischste Sportereignis des Jahres, das uns zu emotionellen Höhepunkten gebracht hat. Er bringt die Fussball-WM in Südafrika trotz negativen Prophezeiungen (Chaos, Gewalt und Desorganisation) reibungslos über die Bühne. Und was erntet er nach dem Abpfiff, hier bei uns: Lob und Dank, ja, schon, aber mit angezogener Handbremse.

Ich will jetzt nicht in Stellvertretung für alle anderen in Lobeshymnen ausbrechen. Nur einfach feststellen, dass ich es bei aller Liebe zur Kritik, gerade an Mächtigen, langsam frustrierend finde, wie die Erfolge unserer weltberühmten Cracks fast aus Prinzip eher tief gehängt werden. Diese (protestantische?) Zurück- haltung fällt nicht nur in Ihrem Fall auf: Nehmen Sie den ersten erfolgreichen Nachtflug des Flugzeugs Solar Impulse von Bertrand Piccard und André Boschberg. Das wurde weltweit auf den Titelseiten der grossen Zeitungen als Sensation gefeiert. Bei uns war die Reaktion eher unterkühlt. Besserwisser monierten sogar, Solar Impulse bringe keine neuen Erkenntnisse. Das gleiche ungute Gefühl hatte ich nach dem Tod von Nicolas G. Hayek. Die offiziellen Würdigungen wirkten wie Pflichtübungen. Ich sah ihn kaum auf Titelbildern. Was ist nur los mit uns? Halten wir so wenig von uns, dass wir selbst die Grössten nur klein sehen? Also für die WM haben Sie mein persönliches «Vergelts Gott!» mehr als verdient.

Mit freundlichen Grüssen

Peter Rothenbühler

14/06/2010

Liebe Sabu

Liebe Sabu,

Du bist mir ans Herz gewachsen. Und dein Chef Franco Knie auch. Einfach schön, wie er sich auf den Fotos an dich schmiegt. Er hat dich lieber als die andern Elefantinnen. Kein Wunder, passt du doch voll in sein Beuteschema. Franco hat ein besonderes Faible für eigenständige Damen mit Ausbrecherqualitäten. Da gabs mal eine gewisse Prinzessin. Und seine jetzige Ehefrau, die schöne Claudia mit den Occhi neri, hats ja auch nicht lange beim Zirkus ausgehalten. Was Franco kürzlich (im «Blick») zur Bemerkung veranlasste: «Claudia ist schwieriger zu bändigen als Elefanten.» So was konntest du – als seine Lieblingselefantin – natürlich nicht auf dir sitzen lassen. Hast dem grossen Frauen- und Elefantenflüsterer eine Lektion erteilt, und das grad zweimal! Man rätselt ja immer noch, weshalb du eigentlich ausgebüxt bist. Dabei ist klar: Es ging darum, dem Chef zu beweisen, dass Elefantinnen nicht leichter zu bändigen sind als Ehefrauen. Dass auch sie sich ein Leben ohne Tournee vorstellen können. Er hat das – ganz Gentleman – sofort kapiert und überhaupt nicht gerüsselt. Bei mir ist durch deine emanzipatorische Zeltflucht der Respekt vor Elefantinnen gerade um hundert Prozent angestiegen. Gut auch, wie du die Tierschützer ausgetrickst hast: Denen hätte es natürlich gefallen, wenn du ein Polizeiauto gerammt oder sonst wie das frustrierte Wildtier gemimt hättest. Aber nee, cool, cool hast du dich durchgesetzt: Den Sommer darfst du jetzt – ohne Umladereien – im schönen Rappi verbringen. Das lässt du dir gerne gefallen.

Freundliche Grüsse,

Peter Rothenbühler

 

09/01/2010

Lieber Claude Béglé

Parait le 10 janvier dans Sonntagszeitung:

 

Lieber Claude Béglé,

Ich muss immer an Rübezahl denken, wenn ich Artikel über Sie lese, den König der Gnome, der mit seinem Riesenprügel das scheue Wild vor sich her hetzt und ins tiefe Tal stürzen lässt. Sie hätten wohl nie gedacht, dass man in der Schweiz so schnell zum Bölimann wird, ohne das geringste verbrochen zu haben, resp. nur das, was jeder andere auch getan hätte : ankündigen, dass die Post Ihren Pflichten im Inland künftig nur nachkommen kann, wenn sie sich neue Geldquellen erschliesst, zum Beispiel im Finanzbereich (am besten mit Banklizenz) oder im Ausland. Das ist so folgerichtig wie trinken bei Durst. Weil Sie jetzt auch ein bisschen für die nötige Zugluft sorgen, ein paar Bremser über Bord werfen, wird in Bern schon über Ihr Schicksal gerätselt. Und Sie ? Lächeln fröhlich vor sich hin. Was natürlich gar nicht zu einem Laden passt, der lange von einem Mann mit « Zwanzgabachti »-Miene repräsentiert wurde. Mich alarmiert am meisten diese Furcht der Politiker vor einem möglichen  « Ausland-Abenteuern ». Da fräsen ausländische Postdienste wild durch unser Land. Und wir, die kleinen Schweizer, sollen  zu blöd sein, um unsere Post zu einem globalen Unternehmen zu machen. Ihre grösste Sünde soll ja sein, dass Sie die künftige Post mit Nestlé verglichen haben. Also mit einem extrem erfolgreichen, international tätigen Schweizer Unternehmen. Geplantes Scheitern ist offenbar populärer bei uns.  Dieser tragische Minderwertigkeitskomplex der Schweizer ist das Problem. Und nicht Ihre Visionen.  Aber wem sag ich das ?

Herzlich

Peter Rothenbühler