08/06/2009

Lieber André Reithebuch

Lieber André Reithebuch,

Obschon mir zu Ihrer Person nur faule Sprüche einfallen  wie « ein Buch im Namen erspart eine ganze Bibliothek, hahaha»,finde ich’s überhaupt nicht lustig, dass Sie, der neue Mister Schweiz aus Glarus, nur ein Buch gelesen haben, heute nur Ortstafeln entziffern können und überhaupt nicht daran denken, je schreiben und lesen zu lernen, weil « es Schöneres im Leben » gibt und weil « ein Zimmermann vor allem rechnen können muss ». Ich find’s katastrophal ! Ein Mister Schweiz, der nicht lesen und schreiben kann und unser Land noch im Ausland repräsentieren wird…  Ich kann nur hoffen, dass Sie keinen gültigen Reisepass haben. Ihnen persönlich kann ich nicht mal einen Vorwurf machen : nicht Sie sind der Depp, sondern all die Erzieher, Lehrpersonen,  Jurymitglieder und Mister–Organisatoren, denen Sie durch die Lappen gegangen sind. Uebrigens: Sie haben riesig Schwein, dass Sie nicht eine Frau sind! Nehmen Sie mal an, Sie wären mit Ihrem Bildungsdefizit Miss Schweiz geworden. Von den Medien zerstampft (« schön aber doof ») würden Sie, mit flatternden Nerven müssten Sie heim zu Mami flüchten. Einer Miss Schweiz würde man Illettrismus nie durchlassen. Ihr Fall ist nicht symptomatisch für die heutige Jugend, sondern für  die ungleiche Behandlung von Mann und Frau. Die Miss Schweiz-Wahl ist schon lange kein Blondinenwitz mehr. Die Ex-Missen sind heute Filmstars, Moderatorinnen oder NZZ-Journalistinnen. Die Mister Schweiz-Wahl hingegen ist mit Ihrer Wahl zum Zimmermanns-Witz  verkommen. Schade.

Mit herzlichen Grüssen

Peter Rothenbühler

31/05/2009

Cher Claude Béglé

poste_2.jpgLieber Claude Béglé,

Ich staune, und bin wohl nicht der Einzige. Noch selten hat ein Patron einen derart rasanten Start hingelegt. Sich so schnell zur Kühlerfigur einer riesigen Kiste gemacht. Post-Generaldirektor Ulrich Gygi ? Schon vergessen. Anton Menth, Ihr Vorgänger ? Niemand kennt ihn. Aber Sie, der grossgewachsene Welsche mit der wilden Locke und dem breiten Kiefer (signalisiert starken Willen), sind seit Ihrem Amtsantritt als Post-Präsident «der» neue Liebling der Medien. « Die » grosse Hoffnung der Pöstler. Und darum auch höchst gefährdet. Leute wie Sie braucht das Land. Aber wer einen Laden derart schnell verkörpert und damit alle Vorgänger und sogar den neuen Generaldirektor Michel Kunz vergessen lässt, wer so clever, offen und ohne Zögern kommuniziert, immer alle Türen offen lässt, so viel in der Welt herumgekommen ist und obendrein nicht zum schützenden Berner Sozi-Netzwerk gehört, der zieht Missgunst an. Der wird bei uns z’Bärn beim ersten Fehler ganz brutal runtergeholt. Aber das Schöne ist ja, dass Sie das überhaupt nicht beeindruckt. Sie gehen auf Gegner mit offenem Gesicht und freundlichen Gesten zu, einzig vom Ziel beseelt, dem defizitären Poststellennetz eine Zukunft zu sichern. Ihre Hoffnung, zu diesem Zweck irgendwann doch noch eine Banklizenz für Postfinance zu kriegen, macht Sie zur Gefahr für eine schwer leidende Branche. Endliche eine echte, vertrauenswürdige Volks-Bank, das wäre ja die Revolution! Darum haben Sie viel mehr Feinde, als Sie denken. Ich halte Ihnen darum beide Daumen.

Herzlich

Peter Rothenbühler

24/05/2009

Cher Christian Constantin

Lieber Christian Constantin,

Gratuliere. Dank Ihnen weiss ich jetzt, wie man den Deutschschweizern erklären kann, wo Gott hockt und warum Pascal Couchepin so ist, wie er ist. Unbequem. Immer einen Schritt voraus, permanent im Flirt mit der Unbeliebtheit. Man muss nur sagen: der kommt aus Martigny. Das ist einer wie Constantin, der FC-Sion-Präsident. Oder Darbellay. Oder Giannada (der vom Museum). Wenn Sie mal eine ruhige Minute haben, müssen Sie mir erklären, warum die berühmtesten Walliser-Alphatiere mit diesen Caesar-Nasen und dem grossen Ego alle ausgerechnet aus dem Kaff am Fuss des Grossen Sankt Bernhard kommen, wo das Wallis eine scharfe Linkskurve macht: Echte « Fonceurs » seid Ihr, immer pressiert, ausgestattet mit unschweizerisch starkem Selbstbewusstsein. Stammt Ihr von römischen Kaisern ab? Man weiss ja, dass deren Legionen bei Euch halt gemacht haben. Und eure Mädchen seit Generationen besonders hübsch sind. Sie selbst sind zwar etwas kleiner geraten als Couchepin und Darbellay, dafür haben Sie ein Uebermass von diesem Mut, sich permanent unbeliebt zu machen. Ihnen ist es völlig wurscht, wenn man Sie für grössenwahnsinnig hält. Sie sind ein Diktator, halten den Weltrekord im Feuern von Fussballtrainern, aber wie Sie die Mannschaft des FC Sion während des Cupfinals zum Sieg über YB gehypt haben, grenzte wieder einmal an ein Wunder. Die Freiburger «Liberté» hat sich gefragt, ob Gott vielleicht ein Walliser sei. Nein, nicht nötig, das Wallis hat Martigny. Herzliche Grüsse

Peter Rothenbühler

 

 

24/04/2009

Lieber Kaspar Villiger

Lieber Kaspar Villiger,

 

Wenn ich Ihr Bild in der Presse sehe, fühle ich mich als Schweizer existentiell herausgefordert. Sind wir wirklich soweit gekommen ? Gibt’s keinen Jüngeren, Besseren, Aussergewöhnlicheren für das Präsidium der UBS ? Und ich komme zum Schluss: nein, eben gerade nicht. Wäre jetzt Krieg, wir würden einen wie Sie zum General machen. Aber eben: Ihr Gesicht und alle Ihre persönlichen Qualitäten erinnern uns fatal daran -  und das tut weh -  dass wir halt doch nicht so aussergewöhnlich sind, wie wir immer denken :  Sie inkarnieren – leider - Swissness at its best, Sie sind Gewöhnlichkeit, Langweiligkeit und Gemütlichkeit in einem. Auf sehr hohem Niveau zwar, aber eben doch so, dass es zum Verzweifeln ist. Charismatische Leadertypen kommen entweder aus dem Ausland oder bleiben im Ausland (Hayek, Maucher, Marchionne, Brabeck, Ackermann, etc.) oder sie werden bei uns brutal zurückgestuft (Escher, Bringolf, Blocher, Bodenmann u.a.). Wir sind und wollen so sein : solid, pünktlich, verlässlich, und vor allem unaufgeregt und moderat. Ein bisschen velofahren, ein wenig Trompete blasen, ok. Aber alles in allem eher Sackmesser als Rakete, eher Pfadfinder als Rambo. Die Schweizer, halt immer ein bisschen Villiger. Und weil das wahr ist, machen wir eine Grimasse, wenn  wir an Sie denken.